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Tag der Deutschen Einheit
Redner Axel Oehm
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wir feiern den Tag der Deutschen Einheit. Ich begrüße sie alle recht herzlich zur Feierstunde am Gedenkstein an der Ebbehalle.
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.So lautet der Text der Präambel des Grundgesetzes seit dem 03. Oktober 1990.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.
Die Einheit und Freiheit wurde mit dem Zusammenschluss von Bundesrepublik und DDR vollendet. Das hieß auch, Anerkennung der Oder-Neiße als Grenze zwischen Deutschland und Polen und ein Verzicht auf ein Deutschland in den Grenzen von 1937. Ein Deutschland in den Grenzen von 1937 hatten sich alle demokratischen Parteien in der jungen Bundesrepublik auf die Fahne geschrieben. Ein besonderer Kämpfer für die Deutsche Einheit war Kurt Schumacher, der 1. SPD Vorsitzende nach dem 2. Weltkrieg. Willi Brandt erklärte in den 60er Jahren: "Verzicht ist Verrat." Helmut Kohl bemühte sich im Frühsommer 1990 lange, die deutsche Einheit ohne eine endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze zu erhalten. Er beugte sich erst dem massiven Widerstand der Alliierten Die Anerkennung der Oder-Neiße als Grenze hat bei nicht wenigen Deutschen, gerade aus dem Bereich der Heimatvertriebenen, zu Verbitterung geführt.
Das Deutschlandlied spiegelt im besonderen Maße den Wunsch nach Einheit wieder. Hoffmann von Fallersleben dichtete dieses Lied 1841 auf Helgoland. Die 3. Strophe des Deutschlandliedes, lautet
Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand -
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!
Im Jahr 1991 wurde allein die dritte Strophe des Deutschlandliedes in einem Briefwechsel zwischen Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl zur Nationalhymne Deutschlands erklärt.
In der alten Bundesrepublik, genauer gesagt zwischen 1952 und 1991 war das Lied der Deutschen, also das Deutschlandlied in allen drei Strophen die Nationalhymne mit der Maßgabe, dass bei staatlichen Veranstaltungen die 3. Strophe des Deutschlandliedes gesungen werden soll. Diese Regelung geht aus einem Briefwechsel zwischen dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer mit dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuß hervor.
Die 2. Strophe des Deutschlandliedes
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang -
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!
Kennen heute nur wenige. Diese 2. Strophe stand eigentlich nie in ernsthafter Kritik. Aber natürlich gibt es immer jemand, der ein Haar in der Suppe findet. Von feministischer Seite wurde der Text als angebliche "männliche Sichtweise" kritisiert. Diese frühere Kritik war unbedeutend ist heute eigentlich vergessen.
In der Kritik, insbesondere von links, steht die 1. Strophe des Deutschlandliedes:
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt -
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
Ist Kritik an dem Text der 1. Strophe gerechtfertigt? Versetzen wir uns einmal etwa 170 Jahre zurück. Wie sah es in Deutschland aus? Das 1. Deutsche Reich, das 844 Jahre bestanden hatte, gab es seit dem 06. August 1806 nicht mehr. Seit 1815 gab es den Deutschen Bund, einen Staatenbund bestehend aus 35 Fürstentümern und vier freien Städten.
Besonders im Jahr 1840 setzte die französische Regierung auf Konfrontation mit dem Deutschen Bund. Ziel der Franzosen war es, die Ostgrenze Frankreichs bis an das linke Rheinufer auszudehnen. Frankreich wollte sich 32 000km² deutschen Gebietes einverleiben. Frankreich drohte dem Deutschen Bund offen mit Krieg. Wie sah die Situation aus, auf der einen Seite das einige Frankreich, auf der anderen Seite das in 39 Einzelstaaten zersplitterte Deutschland.
Auch im Osten gab es einen aufkeimenden Nationalismus. Auf dem 1. Slawenkongresses 1848 in Prag wurde die Forderung erhoben " neben allen Türken aus Europa, alle Italiener vom Ostufer der Adria, alle Finnen an der karelischen Nase bei Petersburg und alle Deutschen östlich einer Linie Triest - Stettin zu vertreiben. Diese Forderungen des Slawenkongresses wurden von vielen Ernst genommen und löste Befürchtungen aus. Schärfsten Protest gegen diese Forderungen und Pläne formulierte u.a. Karl MARX. 1855 schrieb Karl MARX in der "Neuen Oder-Zeitung": "Panslawismus ist eine Bewegung , die ungeschehen zu machen" strebt , was eine Geschichte von tausend Jahren geschaffen hat , die sich nicht verwirklichen kann , ohne die Türkei , Ungarn und eine Hälfte Deutschlands von der "Karte Europas wegzufegen , die, sollte sie diese Resultate erreichen , ihre Dauer nicht sichern kann , außer durch die Unterjochung Europas ."
Vor dieser Drohkulisse entstand das Deutschlandlied. So sind die Zeilen "Deutschland Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zum Schutz und Trutze, Brüderlich zusammenhält" entstanden. Mit diesen Zeilen setzte sich Hoffmann von Fallersleben gegen die Hegemonieansprüche Frankreichs dichterisch zu Wehr. Es ging also um die Verteidigung Deutscher Interessen gegen Hegemonieansprüche Dritter.
Das Deutschlandlied entsprach zudem den Wünschen der liberalen Opposition in Deutschland. Die Wünsche der liberalen Opposition waren:
nationale Einheit
Überwindung der Fürstenherrschaft
Politische Freiheit
Rechtsstaatlichkeit
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt -
So heißt es in der ersten Strophe des Deutschlandliedes weiter. Auf die Idee, die Grenzen Deutschlands mit Flüssen zu benennen, kam Hoffmann von Fallersleben wahrscheinlich durch Walther von der Vogelweide. Der hatte im Jahr 1198 gedichtet:
Ich habe viele Länder gesehen
und wollte immer die Besten kennenlernen. [...]
Deutsche Art und Bildung übertrifft alle anderen.
Von der Elbe bis an den Rhein
und dann wieder bis an die Grenze zu Ungarn
da leben gewiss die Besten,
die ich in der ganzen Welt gefunden habe."
Die Maas und die Etsch markierten im Jahr 1841 die Grenzen des Deutschen Bundes.
Die Maas durchfließt das damalige Herzogtum Limburg, das seit 1839 (mit Ausnahme von Maastricht und Venlo) zum Deutschen Bund gehörte.
Die Etsch fließt bekanntlich in Südtirol. Das Gebiet gehörte damals zum Kaiserreich Österreich.
Der kleine Belt - eine Meerenge - bildete die Nordgrenze Schleswigs
Die Memel fließt an der Ostgrenze Ostpreußens.
Ost- und Westpreußen sowie Posen gehörten zwar nicht zum Deutschen Bund, sie gehörten aber zu Preußen.
Also
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt -
Das waren also keine Deutschen Gebietsansprüche gegen dritte. Nein, Maas, Memel, Etsch und Belt bezeichneten die Siedlungsgebiete der Deutschen. Soweit kurz der Hintergrund zur Entstehung des Deutschlandliedes.
Im Jahre 1922 erklärte der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert, ein Sozialdemokrat, alle drei Strophen zur Nationalhymne.
Im 3. Reich wurde dann bei offiziellen Anlässen nur die 1. Strophe gesungen, es folgte dann das Horst-Wessel-Lied. Das Horst-Wessel-Lied war so etwas wie die Parteihymne der NSDAP und ist heute verboten. Wie gesagt, das Horst-Wessel-Lied ist verboten und nicht etwa die 1. Strophe des Deutschlandliedes.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das ganze Deutschlandlied vorübergehend von den Alliierten verboten. Und wie zu Beginn gesagt, ab 1952 bis 1991 war das gesamte Deutschlandlied die Nationalhymne, es wurde bei offiziellen Anlässen aber die 3. Strophe gesungen.
Lassen sie mich ein Fazit ziehen. Die Entstehung des Deutschlandliedes entspricht zum einem dem liberalen Zeitgeist und dem Wunsch nach nationaler Einheit in Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Im 3. Reich versuchten die Nationalsozialisten das Lied für ihre Zwecke zu gebrauchen. Das war sicherlich nicht im Sinne von Hoffmann von Fallersleben.
Doch wir sehen das Deutschlandlied aus der Sichtweite von Hoffmann von Fallersleben. Auch wir stehen hier, weil wir ein einiges Deutschland mit Bürgerrechten und Bürgerfreiheiten wollen. Die Freiheiten gilt es zu verteidigen, gegen Extremisten von Rechts und Links.
Wir singen das Deutschlandlied.

