Persönliche Erklärung Stolpersteine (Hr. Stracke)

Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

wie Sie alle wissen, bin ich Anwohner an der Lindenstr. 14. Dieses Haus wurde von Oskar Fischbach erbaut, einem jüdischen Mitbürger, der mit seiner Familie 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA floh.

Vor einigen Wochen war der Neffe von Oscar Fischbach, Steven Fischbach mit seiner Frau und seiner Tochter  bei meinen Eltern und meiner Großmutter mit Bürgermeister Jan Nesselrath zu Besuch. Es war ein herzliches Treffen, genau wie die Treffen mit anderen Mitgliedern der Familie Fischbach bei uns zu Hause in den letzten Jahrzehnten. Bei diesem Treffen haben meine Eltern der Familie mitgeteilt, dass sie  der Verlegung der Stolpersteine vor ihrem Haus an der Lindenstraße zustimmen.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die geplante Verlegung der Stolpersteine vor dem Haus meiner Eltern nichts an meiner Entscheidung ändert, für die Beibehaltung des Ratsbeschlusses des Jahres 2012 zu stimmen, wo die heutigen Eigentümer des letzten frei gewählten Wohnorts der ehemaligen jüdischen Mitbürger der Verlegung zustimmen müssen. Es sollte weiterhin das alleinige Recht  der heutigen Besitzer bleiben, ob sie die Stolpersteine vor ihrem Haus haben möchten oder nicht.

Meine Eltern hatten  schon vor dem Treffen mit Steven Fischbach ihre Meinung geändert. Es war also IHRE Entscheidung und ich bin froh, dass es den Ratsbeschluss aus dem Jahr 2012 gibt, der den Eigentümern die Entscheidung überlässt, ob sie Stolpersteine vor ihrem Haus gestatten.

 

Lassen Sie mich zum Schluss noch folgendes sagen: Die letzten Jahre waren für mich und meine Familie  nicht immer leicht. Oftmals die Berichte der Initiative Stolpersteine in der Zeitung, wo unterschwellig Druck aufgebaut werden sollte, dass die Eigentümer der betroffenen Häuser der Verlegung zustimmen. Der Höhepunkt wurde bei einem Bericht in Südwestfalen Aktuell im WDR am Tage der letzten Ratssitzung erreicht, wozu ich mir jeden Kommentar erspare. Ob der Bericht auf Betreiben der beiden Galionsfiguren der Initiative Stolpersteine zustande gekommen ist oder nicht, ist eigentlich nebensächlich. Auch sonst  wurde seitens der beiden Sprecher der Initiative nichts unversucht gelassen, ihren Willen durchzusetzen. Aus Gesprächen mit den heutigen Eigentümern der betroffenen Häuser weiß ich, dass es einige unschöne Dinge vorgefallen sind. Einzelheiten erspare ich mir hier. Zusammengefasst kann ich für den Verlegort Lindenstr. 14 sagen: Meine Eltern  stimmen der Verlegung nicht wegen, sondern trotz der beiden Galionsfiguren, die für  die Initiative sprechen,  zu.

Ich möchte den  Eigentümern, die den Schritt nicht mitgehen wollen, die Steine vor ihrem Haus zu verlegen zu lassen, auch in Zukunft die Möglichkeit nicht nehmen, diese Entscheidung selbst zu treffen. Deshalb werde ich gegen den Antrag der Fraktion Linke/Piraten und bin somit für die Beibehaltung des Ratsbeschlusses aus dem Jahr 2012. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!