Tag der Deutschen Einheit – 2017 (Matthias Scholand)

Der 3. Oktober ist als Tag der Deutschen Einheit im Einigungsvertrag 1990 zum gesetzlichen Feiertag in Deutschland bestimmt.
Als deutscher Nationalfeiertag erinnert er an die deutsche Wiedervereinigung, die „mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990“ „vollendet“ wurde.

Somit wurden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin in seiner Gesamtheit die neuen Länder der Bundesrepublik Deutschland.

Geändert hat sich damit eigentlich alles. Die alte „DDR“ gab es nicht mehr; aber auch die alte Bundesrepublik Deutschland war nicht mehr dieselbe wie vorher. Wir alle leben seit dem in einem völlig neu aufgestellten Land.

Was kann man heute 27 Jahre später sagen, was nicht schon lange gesagt worden wäre.

Vermutlich nicht viel, was sie alle nicht schon anderweitig gehört hätten.

Das Ereignis ist dermaßen außergewöhnlich, einzigartig und faszinierend, dass alles was man dazu sagen kann, die Gefahr des Banalen hat oder dem Anlass in seiner Bedeutung nicht gerecht wird.

Ich versuche einen persönlichen Zugang zu finden. Anfang/Mitte der 80iger Jahre war ich nach dem Abitur Soldat auf Zeit in der Bundeswehr mit dem letzten Dienstgrad Leutnant der Reserve.

Die Bundeswehr war allein zur Verteidigung des Staatsgebietes der alten Bundesrepublik Deutschland ausgestattet und auch ausgebildet. Allein das war Gegenstand meiner seinerzeitigen Ausbildung an der Offiziersschule. Die Möglichkeit eines realen Einsatzes als Soldat war seinerzeit weit entfernt und schon gar nicht außerhalb Deutschlands auch nur ansatzweise denkbar. Der Konflikt auf den man sich damals vorsorglich vorbeireite, um ihn letztlich zu verhindern, war ein Konflikt zwischen der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt auf der einen Seite und der USA und der Nato auf der anderen Seite und zwar genau entlang der damaligen innerdeutschen Grenze.

Mein Jurastudium begann ich im Anschluss in Augsburg; meine Frau studierte im seinerzeitigen Westberlin. Zwischen uns lag die ehemalige DDR. Es dauerte seinerzeit min. 10-12 Std Autofahrt mit sicher 2 Std. Wartezeit an der seinerzeit so bezeichneten Innerdeutschen Grenze, um von Augsburg über Hof über die sog. Transitstrecken nach Westberlin zu kommen. Ein Besuch in der DDR oder in Ostberlin war wie ein Trip in eine völlig andere Welt. Noch Ende der 80iger Jahre war das allgemeine Gefühl, die Mauer ist unüberwindbar. Viele hatten die Hoffnung auf Wiedervereinigung aufgegeben und nur einige wenige hofften noch darauf. Doch alle waren völlig überrascht über die friedliche Revolution in der damaligen DDR. Ich weiß noch, dass ich wie gebannt auf den Fernseher starrte um mitzuerleben, was da gerade passiert. Die Montagsdemos in Leipzig und anderswo, friedliche Demonstrationen, die Mauerspechte, überall blühte die Demokratie und die Menschrechte auf. Und wir ehemalige Westler guckten verdutzt und ungläubig Richtung Osten bis wir mal verstanden hatten, was da eigentlich passiert.
Eine ganz wesentliche Triebfeder und geistig moralische Grundlage war seinerzeit der Christliche Glaube in Europa angefangen mit Papst Johannes Paul II und seinem Einfluss auf die Entwicklung in Polen. Die Christlichen Kirchen in der DDR boten der aufkeimenden Demokratiebewegung eine Heimstatt und waren ihre Keimzellen.

Auch der abgedroschene Begriff „Deutschland ein Land der Dichter und Denker“ bekam wieder eine ganz neue Bedeutung und Belebung.

Ich empfinde diese Geschehnisse und die Erinnerung daran als außerordentlich wertvoll und lehrreich. Gelebte Demokratie und Wertschätzung. Das ist es allemal wert, sich daran zu erinnern, sich zu freuen und darauf auch ein Stück stolz zu sein und vllt auch eigene Lehren daraus zu ziehen.

Umso bedauernswerter ist heute manche Entwicklung. Ich sehe natürlich nicht alles schwarz, aber wir haben heute allen Grund unsere „Demokratie zu verteidigen“.
Gewaltbereite Demonstranten, anstatt zu zu hören versucht man den anderen nieder zu brüllen. Verrohung von Wort und Schrift.
Es gibt nur noch wenig wirklich ehrliche und ergebnisoffene Gespräche. Gedanklicher Wettbewerb um das bessere politische Konzept und konkrete Lösungen…..so sollte Politik sein.
Das wünsche ich mir in Berlin aber auch hier vor Ort.
Leider stehen da Dinge wie persönliche Eitelkeiten, selektive Wahrnehmungen und Verzerrung und Verleugnung von Tatsachen und Argumenten im Raum und versperren das gelungene Streitgespräch und das Finden von guten Lösungen.
Sehr schlimm finde ich persönlich auch solche Entgleisungen wie von Frau Andrea Nahles. Ähnliches findet sich übrigens bei fast allen Parteien nicht nur bei der SPD.
Darüber muss sich niemand erheben.
Wer aber so verantwortungslos mit Sprache und Menschen umgeht, der muss sich nicht wundern, dass sich die Menschen auch bei Demos daran orientieren und dann Redner niedergebrüllt werden anstatt zu zu hören oder ins Gespräch zu kommen.

Natürlich sind Politiker und auch nur ehrenamtlich tätige Kommunalpolitiker nur Menschen und natürlich kann auch menschlich mal etwas daneben gehen.

Da darf man nicht zu empfindlich sein und aber man sollte die grdsl Bereitschaft zur Klärung und Versöhnung haben. Der Respekt ist entscheidend.

Mein oder unser Verständnis und mein Anspruch muss ein anderer sein.

Lassen sie uns alle Vorbild sein und uns auch daran messen lassen. Ich glaube, viele Menschen sehnen sich danach. Die Menschen wollen wertschätzenden Umgang und Lösungen und Orientierung. Sie wollen keine selbstverliebten Streitgespräche.

Politiker auch Kommunalpolitiker müssen natürlich ein offenes Ohr für die Bürger haben und ihre Sorgen, Nöte, Ängste und Bedürfnisse. Für gefährlich halte ich aber ehr populistische Tendenzen oder Parteien, weil sie nur um des kurzfristen Erfolges wegen, danach schauen, wohin das Fähnchen gerade weht, um sich daran zu orientieren. Sie nehmen daher am Meinungsbildungsprozess gar nicht teil, sondern laufen nur konzeptlos hinterher. Ich denke, wir müssen den Anspruch haben, Konzepte und Ideen zu entwickeln und die Menschen davon überzeugen und mitnehmen. Das ist natürlich keine Einbahnstraße sondern dialogischer Prozess.
Unsere real existierende Demokratie befindet sich in einem Dauerdilemma aus Egoismus und Notwendigkeit. Für einen Ausweg hieraus soll und kann Politik nützlich sein! Wir müssen zusammen an nachhaltigen Lösungen arbeiten und den kurzfristigen Egoismus beiseitelassen.

Das wünsche ich uns allen, damit der 03. Oktober nicht nur ein schöner arbeitsfreier Feiertag ist, sondern uns Anlass gibt, aus der Vergangenheit zu lernen für unsere Gegenwart und für die Zukunft der nächsten Generationen.

Vielen Dank
Matthias Scholand